Der Bericht hätte eigentlich letzte Woche fertig sein sollen. Du weisst das, deine vorgesetzte Person weiss das, und trotzdem liegt die Datei seit Tagen unberührt auf deinem Desktop. Jeden Morgen nimmst du dir vor, heute anzufangen. Jeden Abend ist sie immer noch leer.

Wenn dann jemand fragt, wie weit du bist, sagst du «fast fertig» und fühlst dich ziemlich mies dabei. Dabei ist dir die Arbeit alles andere als egal.

Jetzt oder irgendwann

Viele Menschen mit AD(H)S beschreiben ihr Zeitgefühl ungefähr so: Es gibt «jetzt» und es gibt «irgendwann». Eine Frist in zwei Wochen gehört klar zu «irgendwann». Sie fühlt sich weit weg an, egal wie oft du daran denkst. Erst wenn sie ins «jetzt» rückt, kommt plötzlich Bewegung in die Sache.

Dann geht es oft erstaunlich schnell. In einer Nacht entsteht, wofür du wochenlang Zeit gehabt hättest, und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Preis dafür ist allerdings hoch. Die Tage davor sind voller Unruhe, und danach bleibt das Gefühl, es wieder nicht anders geschafft zu haben.

Je wichtiger, desto schwerer

Was viele überrascht: Gerade die Aufgaben, die dir am Herzen liegen, bleiben oft am längsten liegen. Wer hohe Ansprüche an sich hat, macht sich den Anfang besonders schwer. Der erste Satz soll schon gut sein, der Plan schon stimmen. Und je länger du wartest, desto grösser wird der Berg aus schlechtem Gewissen.

Mit Faulheit hat das wenig zu tun. Das Wissen, dass etwas wichtig ist, reicht einfach nicht immer aus, um ins Tun zu kommen.

Was beim Anfangen hilft

Wenn es von innen nicht klappt, hilft oft ein kleiner Anstoss von aussen. Diese Ideen haben sich bei vielen bewährt:

  • Mach den ersten Schritt winzig. Nur die Datei öffnen und eine Überschrift schreiben. Oft läuft es danach von selbst weiter.
  • Hol dir die Frist näher. Vereinbare zum Beispiel mit einer Kollegin, dass du ihr am Donnerstag einen ersten Entwurf zeigst.
  • Arbeite neben jemandem. Schon die Anwesenheit einer anderen Person, vor Ort oder per Video, macht das Dranbleiben für viele leichter.
  • Stell einen Timer auf 15 Minuten. Danach darfst du aufhören. Meistens machst du trotzdem weiter.

Und wenn deine vorgesetzte Person nach dem Stand fragt: Ein ehrliches «Ich bin noch nicht weit, den ersten Entwurf bekommst du am Donnerstag» fühlt sich im Moment unangenehmer an. Es erspart dir aber eine Woche voller Bauchweh.

Zum Ausprobieren

Im AD(H)S-Werkzeugkasten, der zum Premium-Paket gehört, findest du eine Start-Hilfe mit weiteren Tricks, die du direkt testen kannst. Und wenn du zuerst wissen möchtest, wie gut dein Job überhaupt zu dir passt, mach den kostenlosen Job-Fit-Check.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine fachliche Abklärung oder Beratung.