Du schliesst die Wohnungstür hinter dir, stellst die Tasche ab und setzt dich aufs Sofa. Eigentlich wolltest du noch einkaufen und kurz eine Freundin anrufen. Stattdessen fällst du innert Sekunden in einen tiefen Schlaf.

Im Büro hätte das niemand vermutet. Dort warst du freundlich und hattest alles im Griff. Du hast in der Sitzung die richtigen Fragen gestellt und in der Kaffeepause gelacht. Genau das hat dich so viel gekostet.

Anpassen ist Arbeit

Viele Menschen mit AD(H)S haben früh gelernt, sich zusammenzunehmen. Nicht dazwischenreden. Ruhig sitzen bleiben. Konzentriert wirken, auch wenn die Gedanken längst woanders sind. Mit der Zeit läuft das fast automatisch. In der Fachsprache nennt man das «Maskieren».

Das Tückische daran: Von aussen sieht man nur das Ergebnis. Die ständige innere Kontrolle bleibt unsichtbar. Dabei läuft sie den ganzen Tag mit, bei jedem Gespräch und in jeder Sitzung. Und sie braucht Kraft, die am Abend fehlt.

Warum es sich wie Faulheit anfühlt

Wenn andere nach der Arbeit noch ins Training gehen und du nicht mal Lust hast, dir etwas zu kochen, kommt schnell der Gedanke: «Was ist eigentlich los mit mir?» Dabei ist die Antwort ziemlich einfach. Du hast an diesem Tag mehr geleistet, als man dir ansieht.

Diese Müdigkeit ist echt. Sie ist ein Zeichen dafür, wie viel Energie du jeden Tag aufwendest, um in ein Umfeld zu passen, das nicht für deine Art zu arbeiten gemacht ist.

Kleine Pausen vom Zusammenreissen

Niemand muss von heute auf morgen alles anders machen. Oft hilft es schon, sich bewusst kleine Freiräume zu schaffen:

  • Kurze Rückzüge einplanen. Ein paar Minuten allein am Fenster oder ein Spaziergang über Mittag können viel Druck rausnehmen.
  • Den Feierabend nicht verplanen. Gönn dir nach anstrengenden Tagen eine Stunde, in der nichts muss.
  • Einen Ort finden, an dem du so sein darfst, wie du bist. Das kann eine Kollegin sein, der du vertraust, oder ein Hobby, bei dem du nicht funktionieren musst.
  • Beobachten, was dich am meisten Kraft kostet. Manchmal ist es nicht der ganze Job, sondern eine bestimmte Situation, die sich verändern lässt.

Wenn die Erschöpfung über Wochen anhält und du kaum noch Freude empfindest, sprich bitte mit deiner Hausärztin oder einer Fachperson. Das ist kein Zeichen von Schwäche.

Zum Weiterdenken

Im Workbook «Dein Arbeitsprofil» findest du ein Energie-Tagebuch, mit dem du herausfindest, welche Situationen dir Kraft geben und welche sie dir nehmen. Und im AD(H)S-Werkzeugkasten, der zum Premium-Paket gehört, gibt es einen Notfallplan für Tage, an denen es zu viel wird. Einen ersten Überblick bekommst du mit dem kostenlosen Job-Fit-Check.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine fachliche Abklärung oder Beratung.