Um neun Uhr beginnt die Sitzung. Du hast dir vorgenommen, diesmal alles mitzubekommen, und die ersten Minuten klappt das auch. Dann vibriert irgendwo ein Handy, und deine Gedanken sind weg. Als du wieder auftauchst, geht es gerade um etwas, das du verpasst hast. Den Rest der Stunde bist du vor allem damit beschäftigt, den Anschluss nicht zu verlieren.

Danach bist du erledigt. Die anderen holen sich einen Kaffee und gehen zum nächsten Termin, als wäre nichts gewesen.

Ein Kopf ohne Filter

Viele Menschen mit AD(H)S nehmen Geräusche und Bewegungen in ihrer Umgebung stärker wahr. Was andere automatisch ausblenden, bleibt bei ihnen hängen. Dazu kommt das ständige Zurückfinden, wenn die Aufmerksamkeit einmal weggedriftet ist. Beides braucht Energie, viel mehr, als man von aussen sieht.

Die Müdigkeit nach einer Sitzung hat also einen Grund. Dein Kopf hat in dieser Stunde einfach mehr geleistet als die anderen.

Der Posteingang als Dauerbaustelle

Mit E-Mails geht es vielen ähnlich. Jede Nachricht verlangt eine kleine Entscheidung: sofort erledigen oder später? Wenn das Priorisieren ohnehin schwerfällt, wird ein voller Posteingang schnell zum Berg. Und was einmal nach unten gerutscht ist, verschwindet oft auch aus dem Kopf.

Daraus entsteht dieses ungute Gefühl, etwas Wichtiges übersehen zu haben. Manche öffnen ihr Postfach irgendwann nur noch ungern, was den Druck natürlich nicht kleiner macht.

Immer wieder von vorne

In vielen Büros gilt es als normal, nebenbei Mails zu beantworten und zwischendurch schnell eine Frage am Pult zu klären. Für einen Kopf, der sich erst in eine Aufgabe hineinarbeiten muss, ist jede Unterbrechung ein kleiner Neustart. Am Abend hast du dann viel angefangen und wenig abgeschlossen, obwohl du den ganzen Tag beschäftigt warst.

Was helfen kann

Oft machen schon kleine Veränderungen einen Unterschied. Manchen hilft es, in Sitzungen mitzuschreiben oder etwas in den Händen zu halten. Andere lesen ihre E-Mails nur noch zu festen Zeiten und schalten die Benachrichtigungen dazwischen aus.

Vor allem aber lohnt es sich, die eigene Erschöpfung ernst zu nehmen. Wer weiss, was ihn Kraft kostet, kann seinen Tag gezielter planen. Und mit der Zeit vielleicht auch mit der vorgesetzten Person darüber sprechen, was die Arbeit leichter machen würde.

Ein erster Schritt

Im kostenlosen Job-Fit-Check gibt es einen eigenen Bereich zu Energie und Reizen. Er zeigt dir in ein paar Minuten, wie viel Kraft dich dein Arbeitsalltag gerade kostet. Wenn du genauer hinschauen möchtest, findest du im Workbook «Dein Arbeitsprofil» ein Energie-Tagebuch, mit dem du deine Kraftfresser Schritt für Schritt aufspürst.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine fachliche Abklärung oder Beratung.