Du sitzt am Schreibtisch, die Liste für heute liegt vor dir. Du weisst genau, was wichtig ist, und eigentlich willst du auch anfangen. Trotzdem passiert nichts. Du öffnest das Dokument, liest die erste Zeile dreimal und bist zehn Minuten später irgendwo in deinen E-Mails.

Viele Menschen mit AD(H)S kennen diesen Moment. Oft schwingt dabei ein Satz mit, den sie über Jahre gehört haben: «Reiss dich halt zusammen.» Von aussen sieht es nach Faulheit aus. Von innen fühlt es sich an wie eine Wand, die nur du siehst.

Wichtig ist nicht gleich spannend

Fachleute beschreiben, dass ein Gehirn mit AD(H)S vor allem dann in Gang kommt, wenn etwas interessant oder dringend ist. Dass eine Aufgabe wichtig ist, reicht als Startsignal oft nicht. Das hat unter anderem mit dem Botenstoff Dopamin zu tun, der beim Antrieb eine grosse Rolle spielt.

Darum kannst du an einem spannenden Projekt stundenlang dranbleiben, während dich die Spesenabrechnung tagelang verfolgt. Mit Willenskraft hat das wenig zu tun. Eher mit einem Tank, der bei langweiligen Aufgaben einfach leer bleibt.

Und darum wird so manches erst kurz vor der Frist fertig. Der Zeitdruck liefert endlich den Schub, der vorher gefehlt hat. Wer dieses Muster kennt, kann es auch bewusst für sich nutzen.

Der Arbeitsalltag ist für andere Köpfe gemacht

In meiner Arbeit als Jobcoach habe ich immer wieder gesehen, wie viel das Umfeld ausmacht. Viele Arbeitsplätze setzen auf feste Abläufe und viel Routine. Für manche passt das wunderbar. Wer dagegen Abwechslung braucht, um wach zu bleiben, kämpft jeden Tag ein bisschen gegen den eigenen Kopf.

Ein gutes Beispiel ist das Grossraumbüro. Gespräche und Telefonate am Nebentisch laufen bei vielen Menschen mit AD(H)S einfach mit. Wer den ganzen Tag damit beschäftigt ist, das auszublenden, hat am Abend kaum noch Energie übrig. Diese Müdigkeit ist echt, auch wenn im Team oft niemand versteht, woher sie kommt.

Was sich verändert, wenn du anders hinschaust

Oft beginnt es mit einer kleinen Verschiebung. Statt dich zu fragen, was mit dir nicht stimmt, fragst du dich, unter welchen Bedingungen du gut arbeitest.

Manchen hilft eine feste Fokuszeit am Morgen, in der niemand stört. Andere kommen leichter in Gang, wenn sie eine Aufgabe in einen winzigen ersten Schritt zerlegen oder gemeinsam mit jemandem arbeiten. Und manchmal zeigt sich, dass der Job grundsätzlich mehr Abwechslung bräuchte, als er heute bietet.

Solche Beobachtungen zeigen dir, was du brauchst, damit deine Stärken Platz bekommen. Zum Beispiel deine Ideen, auf die andere gar nicht kommen, oder deine Ruhe, wenn es rundherum hektisch wird.

Ein erster Schritt

Wenn du wissen willst, wo dein Job dir Kraft gibt und wo er dich Kraft kostet, mach den kostenlosen Job-Fit-Check. Er dauert nur ein paar Minuten. Und wenn du danach tiefer einsteigen möchtest, begleitet dich das Workbook «Dein Arbeitsprofil» Schritt für Schritt.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine fachliche Abklärung oder Beratung.